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BüDo: Liebende bleiben

Wir haben jetzt zwei Kinder. Das bedeutet viel Glück, viel Lachen, viel Action, aber eben auch „irgendwas ist immer“. Eigentlich bleibt nie Zeit übrig für uns als Eltern. Das Höchste der Gefühle ist es, wenn einer von uns einmal etwas ohne Kinder unternehmen kann. Für gemeinsame Zeit zu zweit gibt es kaum Gelegenheit. Manchmal ganz kurz, wenn beide Kinder einmal zufällig gleichzeitig schlafen und auch noch Wochenende ist… doch dann sind wir auch oft zu beschäftigt und nutzen die Zeit lieber dazu den Dachboden vor dem Umzug noch auszumisten oder – noch schlimmer – fangen an uns über Kleinigkeiten zu streiten. Dieser Umstand stört mich nun schon seit einiger Zeit, aber eine wirkliche Lösung habe ich dafür bisher nicht gefunden.

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich eine Mail vom BELTZ-Verlag in meinem Postfach fand, die mich fragten, ob ich das neue Buch von Jesper Juul „Liebende bleiben – Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken“ rezensieren möchte und ich habe sofort zugesagt. Nun nach fast sechs Wochen habe ich es endlich geschafft das Buch zu Ende zu lesen und will euch kurz davon berichten. Der erste Eindruck war etwas ernüchternd, denn das Cover erinnerte mich doch stark an die Teenie-Liebesromane, die ich immer von meiner Patentante zum Geburtstag bekommen habe… doch auf den Inhalt kommt es an und der ist deutlich besser, als das Coverbild.

Ich hatte vielleicht ein ganz kleines bisschen gehofft, dass mir Jesper Juul den ultimativen Geheimtipp verraten könnte, um die Beziehung zwischen mir und dem Mann zu verbessern, doch den gibt es natürlich nicht. Wenn es so einfach wäre, wäre ich vielleicht auch schon selbst darauf gekommen. In sieben „mitgeschriebenen“ Beratungsgesprächen mit Paaren und ihren Kindern wird immer wieder deutlich, dass es kein Patentrezept gibt, nicht geben kann. Der Fokus liegt dabei ganz klar auf den Konflikten, die „wegen der Kinder“ auftreten, auf den Veränderungen, die Kinder in der Paarbeziehung auslösen. Ich bin immer wieder begeistert, von der Klarheit der Analyse und Argumentation. Auch wenn so ein Buch keine konkreten Antworten auf unsere „Probleme“ liefern kann, so hat es mir doch geholfen die richtigen Fragen zu stellen. Immer wieder macht Jesper Juul klar, dass es kein „richtig oder falsch“ gibt, sondern dass es immer um die Beziehung geht und darum, dass die Bedürfnisse aller Familienmitglieder wahrgenommen werden.

Besonders spannend fand ich auch den Abschnitt über etwas, dass Jesper Juul als „intuitive Verbindung“ zwischen einem Kind und einem Elternteil bezeichnet und das uns helfen kann die Strukturen innerhalb der Familie besser zu verstehen. Auch wenn unsere Kinder – denke ich – noch etwas zu jung sind, um solche Effekte zu beobachten, finde ich es doch hilfreich darüber Bescheid zu wissen.

Wahrscheinlich bin ich nicht ganz objektiv, wenn es um Bücher von Jesper Juul geht, weil seine klare und logische Art zu argumentieren meiner Art zu denken sehr entspricht, aber ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Gerade weil es weit über die üblichen Tipps à la „Nehmt euch mehr Zeit füreinander. Unternehmt mal etwas ohne Kinder!“ hinausgeht, sondern die Probleme bei der Wurzel angeht. Von mir also eine ganz klare Leseempfehlung.

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BüDo: slow family

Schon einige Wochen vor dem Erscheinen von „slow family“ von Julia Dibbern und Nicola Schmidt habe ich bei Facebook (oder war es woanders??) eine Vorankündigung entdeckt und war sofort Feuer und Flamme. Ich musste dieses Buch lesen… Schon der Untertitel „Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern“ spricht mir aus der Seele. So oft habe ich den Eindruck, dass mit Kindern das Leben immer schneller wird… vielleicht sogar werden muss? Irgendwie kommt immer mehr dazu. Mehr Aktivitäten, mehr Gedanken und Sorgen, mehr Planung… Der Beltz-Verlag hat mir dankenswerterweise das Buch dann als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und ich habe es innerhalb weniger Stunden verschlungen… Danke an die langen Wartezeiten bei meinem Frauenarzt! Leider hat es jetzt doch ein bisschen gedauert bis ich es geschafft habe, meine Gedanken dazu zu formulieren. Darum will ich auch gar nicht systematisch das Buch vorstellen, sondern einzelne Gedanken, die mir im Gedächtnis und vor allem in meinen Gedanken geblieben sind.
Der erste Gedanke, der mich unglaublich getroffen hat war: „Und gleichzeitig darf das „Nimm dir Zeit“ nicht zum nächsten Punkt auf der Du-bist-nicht-gut-genug-Liste werden, der uns unter Druck setzt.“ Autsch, das hat gesessen… das ist genau die Gefahr, in der ich so oft stehe. Ich erkenne, dass ich mir weniger Stress machen muss und da mir das so selten gelingt, macht es mir nur noch mehr Druck… eigentlich dumm, aber das zu verbalisieren hilft mir schon. Für mich ist es gut zu hören, dass ich nicht um jeden Preis entspannt sein muss. Aber ich darf es eben. Ich darf mir Zeit nehmen für die Dinge, die mir wirklich wichtig sind und das ich entscheiden darf, wofür ich meine Zeit einsetze.
Wer von euch meinen Blog schon eine Weile verfolgt, der hat wahrscheinlich schon mitbekommen, dass ich mir schnell Sorgen mache. Mein Gedankenkarussell ist quasi immer in der Wartestellung und immer bereit für eine neue Runde. Dazu hat mich ein Zitat von Julia Dibberns Oma getroffen: „Sich Sorgen zu machen kostet nur Kraft. Und diese Kraft kann ich besser einsetzen, um das Problem zu lösen. Denn wenn ich mit dem Grübeln fertig bin, wird das Problem nicht kleiner sein. Ich habe dann bloß weniger Kraft, es zu lösen.“ Das ist natürlich wahnsinnig weise, aber im Alltag irgendwie schwierig. Ich habe mir dieses Zitat in meinen Kalender geschrieben, damit ich es immer vor Augen habe und nicht vergesse… Mir hilft dabei der Glaube an einen gütigen Gott, an den ich meine Sorgen abgeben kann, der es gut mit mir meint und mein Leben zu einem guten Ziel führt.
Ein Thema, dass mich im Moment sehr beschäftigt ist die Frage nach der Schule… Ja, mein Sohn ist erst zwei, aber – Gedankenkarussell und so – trotzdem mache ich mir meine Gedanken und vieles in mir sträubt sich bei dem Gedanken mein Kind einem „System Schule“ anzuvertrauen, dem ich nicht besonders viel Gutes zutraue. Doch auch dazu gibt es eine kurze Anekdote mit dem prägenden Satz „Hast du kein Vertrauen in deine eigene Erziehungsarbeit?“ Das hat gesessen. Denn natürlich glaube ich, dass ich mein Kind stark mache durch die Art und Weise wie wir im Alltag mit ihm umgehen. Dieser Satz gibt mir so viel Mut und hilft mir meine Angst vor der Schule und allem was dazu gehört hinten an zu stellen… was jetzt nicht heißt, dass ich mir jetzt keine Gedanken darüber mache, aber Angst muss es mir auch keine machen.
Einen letzten Gedanken habe ich noch, der mich schon vor der Lektüre von „slow family“ für das artgerecht-Projekt eingenommen ist das afrikanische Sprichwort „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“ Besonders in der ersten Zeit mit Baby hatte ich den Eindruck, dass die Art und Weise wie wir heute unsere Babys betreuen nicht besonders effizient ist. Da sitzen in hundert Wohnungen hundert Mamas mit jeweils einem kleinen Baby… und alle sehnen sich nach Gesellschaft, nach Austausch und nach Bestätigung. Viel sinnvoller erscheint es doch, dass wir uns nicht so sehr ins Private zurückziehen, nicht jedes Problem allein lösen, uns Hilfe suchen und Hilfe geben… Ich merke, dass mir das oft wirklich schwer fällt, weil ich das Gefühl habe alles selbst schaffen zu müssen, weil alle anderen es ja auch irgendwie hinbekommen. Und natürlich geht es in den meisten Fällen auch irgendwie allein, aber es könnte so viel einfacher sein. Ein guter Vorsatz für 2017 ist mich da zu öffnen, mein Netzwerk zu bauen und zu stärken.
Natürlich gibt das Buch eine ganze Werkzeugkiste an praktischen Ideen, aus der sich jede Familie die Sachen herauspicken kann, die passend sind. Da gibt es zum Beispiel Anregungen zum Spielen mit Dreck, ins Bett bringen, Verantwortung, eigene Muster erkennen und – besonders entspannend der Jeden-Tag-Effekt, der mir kleine Schritte erlaubt. Ich muss nicht an einem Tag die Welt verändern, sondern darf jeden Tag einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gehen.
Ich hoffe, dass das jetzt nicht zu konfus war und ihr einen guten Eindruck von „slow family“ bekommen habt. Insgesamt kann ich euch das Buch wirklich empfehlen, für euch, als Geschenk für liebe Menschen. Es ist wirklich schön geschrieben und hat zumindest mir viele spannende Anstöße für meinen bzw. unseren Alltag gegeben.
In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne „langsame“ Adventszeit und schließe mit dem Abschlusssatz des Buches: „Es gibt viel zu lieben, legen wir los!“

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BüDo: Jeder hat eine zweite Chance verdient…

Heute gab es schon einen Beitrag von mir, doch da heute auch Donnerstag ist, will ich euch auch von meinem zweiten Versuch mit Ich glaub, mich tritt ein Kind!* erzählen. Ich hatte ja schon mal kurz hier davon berichtet.

Ich mach das nicht oft… Büchern eine zweite Chance geben, meine ich. Wenn mich ein Buch im ersten Versuch nicht überzeugt, dann wird es im Normalfall nie mehr gelesen… zumindest nicht von mir. Doch bei diesem wollte ich es versuchen, weil… naja so genau weiß ich auch nicht warum… vielleicht weil ich jetzt schwanger bin und das Buch damit besser in mein Leben passt, als zum Zeitpunkt des ersten Versuchs. Vielleicht hatte es auch mit dem quietschpinken Cover zu tun… ein bisschen…

Aber jetzt zum Inhalt: Zwei Frauen, eine schwanger, eine dreifache Mutter. Die Schwangere stellt Fragen, die dreifache Mama antwortet. Am Anfang hat mich dieser Schreibstil genervt… der ständige Perspektivwechsel (auch wenn das vermutlich den Reiz des Buchs ausmachen soll), doch nach ein paar Kapiteln habe ich mich daran gewöhnt und habe das Buch am Ende in nur zwei Tagen komplett durchgelesen. Es liest sich sehr amüsant und unterhaltsam. Insgesamt freue ich mich, dass ich dem Buch eine zweite Chance gegeben habe, auch wenn die Fragen (bis auf wenige Ausnahmen) einfach nicht meine Fragen sind.Ich bin auch vor meiner Schwangerschaft nicht jeden zweiten Abend auf Partys gegangen. Mein Körper hat auch vorher nicht den allgemeinen Normmaßen entsprochen. Ich war auch vorher schon ein Spießer. Darum habe ich nicht solche Verlustängste. Trotzdem war es, wie gesagt lustig zu lesen. Mein Lieblingszitat zum Thema „Geschlechtererziehung“: „Die Tochter unserer Nachbarn, mitten im Prinzessinnen-Glitzer-Alter (mit zweeinhalb!), stand nach der Geburt ihres Bruders neidisch vor dem Wickeltisch und sagte: „Ich wünsch mir auch so einen Penis zum Geburtstag.“ Dann holte sie kurz Luft und ergänzte: „Aber in Rosa und von Lillifee.““

Eine Frage gab es dann aber doch, die auch mich berührt und immer noch beschäftigt: Wie macht man das als vorher berufstätige und irgendwie auch ambitionierte Frau plötzlich ganz allein als Nur-Mutter? Was muss ich tun, damit mir nicht die Decke auf den Kopf fällt? Wo bekomme ich soziale Kontakte und auch Bestätigung… all das was ich vorher im Job hatte? „Ich hab noch keine Antwort darauf gefunden, aber ich bin mir des Problems bewusst.“  (Zitat meines Schwiegervaters) Und das ist doch schon einmal ein Anfang…

 

 

*Übrigens: Ich will ganz offen sein. Wenn ihr auf einen der Buchtitel klickt, dann landet ihr auf Amazon.de und könnt euch dort das Buch direkt anschauen oder noch mehr Rezensionen dazu lesen. Und wenn ihr darüber das Buch tatsächlich kauft, dann bekomme ich eine kleine Provision. Davon kann ich mir dann weitere Bücher kaufen und neue Rezensionen schreiben und neue Links einbauen… The Circle of Life *sing*

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