Allgemein, Mamasein

Einer dieser Tage

Heute ist einer dieser Tage, die ich gern aus dem Kalender streichen möchte. Ich war heute weder gelassen noch stark. Ich war einfach nur müde und genervt. Die einzigen Zeitfenster, die da waren für all das was heute so anstand, habe ich im Halbschlaf stillend mit dem Baby im Bett verbracht. Den Rest des Tages hat eigentlich immer irgendwer geweint, das Baby weil ich es nach mehreren Stunden Dauernuckeln gewagt habe ihr den direkten Körperkontakt zu entziehen, der Prinz wegen extremer Müdigkeit, die allerdings nicht durch einen Mittagsschlaf bekämpft werden darf oder eben ich… selbst ein Besuch in der Bibliothek – sonst hier wirklich ein Garant für ein paar entspannte Stunden – brachte nur Streit…

So hatte ich mir dieses Familienleben echt nicht vorgestellt, hatte ich doch von lachenden, miteinander friedlich spielenden Kindern geträumt, die mich mit selbst gemalten Bildern überraschen und mir ungefähr alle halbe Stunde ein „Ich hab dich lieb!“ ins Ohr flüstern würden. Heute war es von all dem nichts zu entdecken. Wir haben gestritten, diskutiert und uns irgendwie wieder vertragen, aber so richtig kamen wir nicht in ruhigere Fahrweise oder eine Art „Erziehungsleichtigkeit“.

Selten habe ich den Sonnenuntergang so herbeigesehnt und als wir endlich alle im Bett liegen – das Baby an meiner Brust und der Große mit seiner kleinen Hand in meiner großen Hand – ist plötzlich alles wieder gut. Da sehe ich meine wunderschönen Kinder an und denke, dass es das einfach wert ist. Nur für diese Momente, wenn sie sich bei meiner bloßen Anwesenheit sicher genug fühlen, um in den Schlaf zu gleiten, lohnt es sich auf Selbstbestimmung, Schlaf und Intimsphäre zu verzichten. Nur für diese Momente lohnt es sich jeden Morgen wieder aufzustehen und mit frisch gerichteter Krone und neuer Kraft in einen hoffentlich besseren Tag zu starten.

Und natürlich tat auch das leise geflüsterte „Meine Mama“ sein übriges…

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Nacht.

Eure Frau Pe

 

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Allgemein, Mamasein

Ein echtes Kindergartenkind

Der Prinz ist ganz schön groß geworden… äußerlich ist er inzwischen in der Größenordnung „laufender Meter“ angekommen, aber vor allem innerlich ist er seit der Geburt seiner Schwester echt gewachsen. Ich kann jeden Tag nur staunen.

Während es vorher kaum möglich war, dass er mal ein paar Minuten allein spielt und eigentlich ständig die Begleitung eines Erwachsenen brauchte, so kann es jetzt durchaus vorkommen, dass ich aus dem Kinderzimmer über eine halbe Stunde nichts höre außer einem gelegentlichen Pfiff der Dampflok oder „Der Zug fährt jetzt los! Der Schaffner steigt ein!“

Noch vor einigen Monaten ging der Prinz anderen Kindern eher aus dem Weg. Wenn alle anderen Kinder im Planschbecken waren, dann war meins garantiert im Sandkasten und betrat das Wasser erst dann, wenn alle anderen Kinder mit blauen Lippen von ihren Mamas zum Abtrocknen und Aufwärmen gerufen wurden. Jetzt hat sich das geändert. Ich will jetzt nicht behaupten, dass er sich immer direkt ins Getümmel stürzt – das entspricht wohl einfach nicht seinem Wesen – doch er geht gezielt auf andere Kinder zu und sucht Kontakt. Vor einigen Wochen hatten wir ein Familienwochenende mit seinen Großcousins und -cousinen und er hatte gefühlt den Spaß seines Lebens mit den „Großen“ Fangen zu spielen… ok, er hat die Regeln nicht verstanden und dachte das Spiel bestünde im Wesentlichen darin laut kreischend im Kreis umeinander herumzulaufen, aber es war toll zu beobachten. Auch Hüpfburgen, die ihm wegen der vielen Kinder auf einem Haufen immer Angst gemacht haben, lösen nun große Begeisterung aus…

Sprachlich hat er natürlich auch riesige Fortschritte gemacht und wir sind mitten in der berühmten Warum-Phase angekommen. Er hinterfragt wirklich alles, jede Antwort generiert mindestens eine neue Frage. Wir diskutieren jeden Tag wichtige Fragen wie „Warum haben Löwen scharfe Zähne?“ „Warum bist du bei rot über die Ampel gefahren?“ (es gab einen grünen Pfeil… manchmal stehen wir eine halbe Stunde auf dem Fußweg an einer Ampel und er beobachtet genau wer wann fahren darf) „Was macht der Papa auf Arbeit?“ Auch wenn meine Ohren am Abend oft bluten und es natürlich auch viele Situationen gibt in denen ich mir ein paar weniger Nachfragen wünschen würde („Warum darf ich die Schwester nicht umschubsen?“ „Warum darf ich nicht auf der Kreuzung stehen bleiben?“), bin ich doch grundsätzlich begeistert und fasziniert von meinem kleinen großen Jungen und der Art wie er die Welt entdeckt. Ich liebe es ihm zuzuhören, mit ihm zu diskutieren und mir von ihm seine Welt erklären zu lassen. Ich bete, dass er niemals seine Neugier und Entdeckerfreude verliert.

Insgesamt muss ich der Einschätzung seiner neuen Erzieherin im Kindergarten wohl einfach zustimmen: Mein Prinz ist ein echtes Kindergartenkind geworden. Er ist bereit für diesen Abnabelungsschritt. Es macht mich glücklich ihn so selbstsicher und begeistert zu sehen… und doch vermisse ich es insgeheim auch ein bisschen von ihm gebraucht zu werden, mein kleines Mamaherz bricht jeden Morgen, wenn der Prinz mich aus dem Kindergarten nach Hause schickt, damit er in Ruhe spielen kann. Die Abende wenigstens sind mir noch erhalten geblieben und trotz des dadurch stark verkürzten Feierabends genieße ich es mein großes Baby – auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin – in den Schlaf zu kuscheln.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Nacht, kuschelt eure Lieben – ich mach das jetzt auch.

Eure Frau Pe

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Allgemein, Mamasein

Wieder da!

Vor genau sechs Monaten ging der letzte Beitrag hier auf dem Blog online. Sechs Monate, die gefühlt wie ein Augenblick vergangen sind und doch kann ich mich kaum noch an das „davor“ erinnern. Wir haben Kisten ein- und wieder ausgepackt, viel diskutiert, neue Möbel gekauft, Spielplätze gesucht (und gefunden), alte Bekannte getroffen, neue Freunde gemacht, gelacht und geweint, Familie genossen, eine Hochzeit gefeiert. Der Prinz hat das „Warum“ für sich entdeckt und das Baby versucht frei zu stehen. Nur gebloggt habe ich nicht. „Warum hat Mama nicht gebloggt??“, höre ich den Sohn in meinem inneren Ohr  fragen und mir fällt keine Antwort ein. Warum eigentlich nicht? Egal, das soll sich wieder ändern. In den letzten Wochen habe ich einiges vorgeschrieben und geplant… mal sehen wie es hier weiter geht. 

Wir lesen uns!

Liebste Grüße 

Eure Frau Pe

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Allgemein, BüDo

BüDo: Liebende bleiben

Wir haben jetzt zwei Kinder. Das bedeutet viel Glück, viel Lachen, viel Action, aber eben auch „irgendwas ist immer“. Eigentlich bleibt nie Zeit übrig für uns als Eltern. Das Höchste der Gefühle ist es, wenn einer von uns einmal etwas ohne Kinder unternehmen kann. Für gemeinsame Zeit zu zweit gibt es kaum Gelegenheit. Manchmal ganz kurz, wenn beide Kinder einmal zufällig gleichzeitig schlafen und auch noch Wochenende ist… doch dann sind wir auch oft zu beschäftigt und nutzen die Zeit lieber dazu den Dachboden vor dem Umzug noch auszumisten oder – noch schlimmer – fangen an uns über Kleinigkeiten zu streiten. Dieser Umstand stört mich nun schon seit einiger Zeit, aber eine wirkliche Lösung habe ich dafür bisher nicht gefunden.

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich eine Mail vom BELTZ-Verlag in meinem Postfach fand, die mich fragten, ob ich das neue Buch von Jesper Juul „Liebende bleiben – Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken“ rezensieren möchte und ich habe sofort zugesagt. Nun nach fast sechs Wochen habe ich es endlich geschafft das Buch zu Ende zu lesen und will euch kurz davon berichten. Der erste Eindruck war etwas ernüchternd, denn das Cover erinnerte mich doch stark an die Teenie-Liebesromane, die ich immer von meiner Patentante zum Geburtstag bekommen habe… doch auf den Inhalt kommt es an und der ist deutlich besser, als das Coverbild.

Ich hatte vielleicht ein ganz kleines bisschen gehofft, dass mir Jesper Juul den ultimativen Geheimtipp verraten könnte, um die Beziehung zwischen mir und dem Mann zu verbessern, doch den gibt es natürlich nicht. Wenn es so einfach wäre, wäre ich vielleicht auch schon selbst darauf gekommen. In sieben „mitgeschriebenen“ Beratungsgesprächen mit Paaren und ihren Kindern wird immer wieder deutlich, dass es kein Patentrezept gibt, nicht geben kann. Der Fokus liegt dabei ganz klar auf den Konflikten, die „wegen der Kinder“ auftreten, auf den Veränderungen, die Kinder in der Paarbeziehung auslösen. Ich bin immer wieder begeistert, von der Klarheit der Analyse und Argumentation. Auch wenn so ein Buch keine konkreten Antworten auf unsere „Probleme“ liefern kann, so hat es mir doch geholfen die richtigen Fragen zu stellen. Immer wieder macht Jesper Juul klar, dass es kein „richtig oder falsch“ gibt, sondern dass es immer um die Beziehung geht und darum, dass die Bedürfnisse aller Familienmitglieder wahrgenommen werden.

Besonders spannend fand ich auch den Abschnitt über etwas, dass Jesper Juul als „intuitive Verbindung“ zwischen einem Kind und einem Elternteil bezeichnet und das uns helfen kann die Strukturen innerhalb der Familie besser zu verstehen. Auch wenn unsere Kinder – denke ich – noch etwas zu jung sind, um solche Effekte zu beobachten, finde ich es doch hilfreich darüber Bescheid zu wissen.

Wahrscheinlich bin ich nicht ganz objektiv, wenn es um Bücher von Jesper Juul geht, weil seine klare und logische Art zu argumentieren meiner Art zu denken sehr entspricht, aber ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Gerade weil es weit über die üblichen Tipps à la „Nehmt euch mehr Zeit füreinander. Unternehmt mal etwas ohne Kinder!“ hinausgeht, sondern die Probleme bei der Wurzel angeht. Von mir also eine ganz klare Leseempfehlung.

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Passionssonntag #4

Wow, zwei Wochen sind vergangen seit dem letzten Beitrag und immer noch fehlt mir oft die Zeit zum Durchatmen. Eigentlich immer ist irgendetwas zu tun und wenn nicht, dann springt mein Gedankenkarussell an und ich gehe im Geiste all die Dinge durch, die vor unserem Umzug noch erledigt werden müssen. Leider wird das wohl in den nächsten Wochen nicht besser… und hat zur Folge, dass ich sehr dünnhäutig bin, ich rege mich viel zu schnell auf, könnte den halben Tag schlafen, weil mich der Alltag ziemlich anstrengt… auch wenn ich ständig hinter meinen Plänen hinterherhinke.

Meiner Idee mit dem Meckern aufzuhören bin ich nicht wirklich näher gekommen… ich habe aber zumindest das Gefühl, dass ich schneller als noch vor ein paar Wochen bemerke wenn ich in den Meckermodus umschalte. Ich schaffe es immer öfter mich nicht von den Wutanfällen des Prinzen provozieren zu lassen und wir finden einen guten Umgang… die zusätzliche Energie, die mich das kostet fehlt mir dann leider für all die Umzugsplanungen und die damit verbundenen Diskussionen mit dem Mann die nötige Gelassenheit und Geduld. Ich bete, dass wir immer besser darin werden mit der anstrengenden und angespannten Situation gemeinsam umzugehen.

Ich wünsche euch allen einen guten Start in die neue Woche

Eure nachdenkliche Frau Pe

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