Mamasein

überraschend kitschig #NeuMamaErkenntnisse

Einen letzten kurzen Beitrag habe ich noch in dieser Reihe #NeuMamaErkenntnisse… Nicht, dass es nicht noch mehr Erkenntnisse aus dem ersten Mamajahr gäbe, aber irgendwo muss ja auch mal Schluss sein und im Dezember soll es um etwas anderes gehen.

Eine letzte Erkenntnis hat mich mit voller Wucht getroffen: Ich bin keine abgeklärte und vernünftige Mama! Auch ich schmelze dahin, wenn der Prinz mit offenem Mund auf mich zu kommt, um mir einen „Kuss“ zu geben, wenn er friedlich in meinen Armen liegt und schläft. Die ersten Zähne mussten der ganzen Familie verkündet werden und die ersten Stehversuche fotografisch in die Welt hinausgeschickt werden. Ich war darauf nicht vorbereitet. Als ich noch kein Kind hatte, war ich immer etwas genervt von Mamas, die solche kitschigen Sachen von sich gegeben haben und nun bin ich selbst so eine.

Ich liebe dieses Kind auf eine Weise, die mich umgehauen hat, die mich verändert hat und das ist gut so.

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Allgemein, Mamasein

Mamasein ist wie ein Marathonlauf #NeuMamaErkenntnisse

Als Schwangere bekommt man eine Menge Ratschläge… Natürlich auch ungefragt. Alle haben mir gesagt „die ersten Wochen sind am schlimmsten“. Die Umstellung sei schwierig und am Anfang unheimlich anstrengend. Massiver Schlafmangel und unglaubliche Erschöpfung wurden mir vorhergesagt. Ich hatte Angst davor. Ich habe mich wirklich gefürchtet vor dieser ersten Zeit mit Baby… konnte mir nicht vorstellen wie das alles werden soll.

Doch es war ganz anders. Ich muss sagen, dass ich diese ersten Monate nicht als extrem anstrengend empfunden habe. Natürlich war es eine Umstellung, aber das wusste ich ja vorher. Ich wusste ja, dass dieses kleine Bündel mein Leben komplett auf den Kopf stellen würde und mich 24h pro Tag brauchen würde. Geholfen hat natürlich, dass der Prinz von Anfang an verstanden hatte, dass die Nacht im wesentlichen zum Schlafen da ist. Natürlich ist er drei bis acht Mal pro Nacht zum Trinken wach geworden, aber in Summe hatte ich genug Schlaf. Auch sonst ging es mir super nach der Geburt und ich war schnell wieder fit. Das hatte ich mir irgendwie schwieriger vorgestellt. Auch unser Baby hatte seine Schreistunden am Abend und es gab Momente, in denen wir nicht wussten warum er jetzt so herzzerreißend weint, aber im Wesentlichen hatte ich schnell ein gutes Gefühl für seine Bedürfnisse. Konnte es wirklich sein, dass wir so ein unglaubliches Glück mit einem einfachen und pflegeleichten Baby haben? Zu Weihnachten – da war der Prinz gerade zwei Monate alt – haben mir alle gestandenen Mamas versichert, dass die schlimmste Zeit nun hinter mir liegt, ich das „Schlimmste“ schon geschafft hätte… Doch wieder war es anders.

Jetzt, ein Jahr später, stelle ich fest, dass meine Vorstellung von der Art der Anstrengung, die das Mamasein mit sich bringt, grundlegend falsch waren. Ich merke seit einigen Monaten, dass ich mich schlapp und antriebslos fühle, obwohl es doch angeblich nun immer einfacher wird. Ich bin davon ausgegangen, dass ich nur die ersten Monate durchhalten müsse und es danach wieder einfacher wird. Doch das war nicht so. Mamasein ist kein Sprint, sondern eher ein Marathonlauf. Das Grundanstrengungsniveau ist nicht besonders hoch, aber es ist immer da. Ich schlafe zwar stundenmäßig genug, doch die ständigen Unterbrechungen schlauchen auf Dauer eben doch. Ich spiele und kuschele unglaublich gern mit meinem Sohn, aber irgendwann kommt immer der Punkt wo ich auch ganz gern mal etwas anderes machen würde. Ich vermisse Feierabende, Wochenende und richtigen Urlaub… Ständig auf Abruf, jede Tätigkeit meinerseits kann jederzeit unterbrochen werden, weil der Prinz einsam ist, Hunger hat, Zähne bekommt oder sein Lieblingsbilderbuch ansehen möchte.

Dieser ständige Bereitschaftsdienst ist für mich das überraschend Schwierige am Mamasein. Aber schön ist es trotzdem 😉

Ich merke, dass ich darauf achten muss, dass ich ab und zu eine Auszeit habe, sonst werde ich unzufrieden. Zum Glück kann der Papa inzwischen auch mal einen Tag mit dem Zwerg verbringen und ich kann das tun was ich am meisten vermisse: mich treiben lassen, nichts müssen, keine Zeit nutzen müssen. Das tut mir so gut. Ich kann förmlich spüren wie meine Laune steigt und meine Akkus geladen werden. Doch es ist notwendig, denn nur so kann ich die Mama sein, die ich sein möchte: liebevoll und zugewandt, geduldig und voller Energie.

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Mamasein

Lebe den Moment #NeuMamaErkenntnisse

Die letzte Sekunde ist mein bester Freund… zumindest war sie es bis das Baby dazwischen kam. Denn so ein Baby beansprucht die letzte Sekunde gern für sich. Da ist eine volle Windel kurz bevor ich das Haus verlassen will, die schlechte Laune, wenn ich ganz dringend einen Kuchen backen muss oder das sehr dringende Bedürfnis jetzt (und ich meine JETZT) auf meinem Schoß zu sitzen, obwohl in zwanzig Minuten Besuch kommt und das Wohnzimmer noch genauso aussieht wie sechs Kleinkinder es nach der Krabbelgruppe hinterlassen haben. Ich habe in meinem alten Leben alles immer erst im letzten Moment gemacht, habe alle Zeit ausgereizt, weil ich nur für mich allein verantwortlich war. Weil ich ziemlich gut einschätzen kann wieviel Zeit ich für welche Aufgaben benötige und wann ich darum spätestens anfangen muss, um gerade so noch rechtzeitig fertig zu werden. Das ist zugegebenermaßen nicht die intelligenteste Taktik, aber ich bin ganz gut damit gefahren, auch wenn der Mann immer behauptete, er könne an der Zahl der offenen Schubladen am Abend ablesen wie spät ich am Morgen dran war.

Seit der Prinz den Alltag maßgeblich mitgestaltet, musste ich lernen meine geliebte letzte Sekunde abzugeben. Ich musste (und muss) lernen Aufgaben dann zu erledigen, wenn Zeit dazu ist. Wo ich vorher unangenehme Aufgaben auf später verschoben habe, erledige ich sie nun im nächsten sich bietenden Freiraum… natürlich nicht immer, aber ich bin auf dem Weg.

Seit ich Mama bin lebe ich viel mehr im hier und jetzt. Natürlich plane ich den Tag, doch im Zweifelsfall wird es eben oft ganz anders. Ich mache mir Gedanken oder Sorgen um Situationen, die dann im Endeffekt ganz problemlos funktionieren. Mitten im anstrengendsten Wachstumsschub gibt es manchmal ein wunderschönes „erstes Mal“ und ich schmelze dahin und aller Ärger ist vergessen. Diese unerwarteten Momente sind es, die das Mamasein so unheimlich schön und wertvoll machen. Ich kann nicht planen, oft nicht einmal ahnen wie die nächsten Tage, Stunden oder Minuten werden, sondern muss mich auf das einlassen was der Tag bringt.

Ich merke immer wieder wie es nur schwieriger wird, wenn ich mit „Gewalt“ versuche meine Ideen und Pläne umzusetzen. Je mehr ich mich zum Beispiel darauf versteife, dass der Prinz zu einer bestimmten Zeit Mittagsschlaf macht, desto mehr Zeit verschwende ich. Er ist dann genervt. Ich bin genervt. Der Tag ist im Eimer. Vielleicht braucht er an diesem Tag weniger Schlaf? Oder vielleicht erst in einer halben Stunde? Wenn ich es schaffe mich frei zu machen von meinen festgefahrenen Plänen und Vorstellungen, dann bin ich offen dafür immer wieder nach Alternativen zu suchen, die auch oft gar nicht schlechter sind.

Das ist natürlich nicht immer möglich, denn wir sind auch Zwängen unterworfen. Arzttermine, Verabredungen und unaufschiebbare Aufgaben setzen mir einen gewissen Rahmen. Ich weiß, dass es schwierig ist mit einem unausgeschlafenen Kind eine möglicherweise eine Stunde im möglicherweise langweiligen Wartezimmer warten zu müssen. Doch vielleicht kommt es auch ganz anders. Vielleicht kommen wir ganz schnell dran. Vielleicht ist er ja auch gar nicht so schlimm unausgeschlafen. Vielleicht ist ein anderes Kind mit im Wartezimmer und der Prinz amüsiert sich. Vielleicht, vielleicht, vielleicht… so viele Möglichkeiten und Unwägbarkeiten. Und selbst wenn es genauso kommen sollte wie ich es vermute, wird es nicht besser davon, dass ich vorher eine Stunde lang erfolglos versucht habe das Kind zum Schlafen zu überreden… das bringt nur Stress und Ärger auf beiden Seiten.

Ich muss so oder so mit der Situation leben wie sie ist, also kann ich auch versuchen das Beste daraus zu machen. Mein Kind lehrt mich jeden Moment anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Ich will immer mehr lernen in jedem Moment das Nötige zu tun und das Leben zu genießen… den besten Lehrmeister habe ich schon.

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nous sommes unis

Ich bin schockiert, wenn ich die Nachrichten sehe. Paris ist so nah. Ich war so oft dort, kenne Menschen, die dort leben. Ich bete, dass es ihnen gut geht. Ich bete für die Angehörigen der Opfer und der Täter. Solche Ereignisse machen uns Angst. Angst, die viele der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen dazu bewegt hat ihre Heimat zu verlassen, um Sicherheit für sich und ihre Kinder zu finden. Lasst uns zusammenstehen und uns nicht gegenseitig die Schuld an den grausamen Attentaten geben. Nous sommes unis!

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Mamasein

Ich habe es nicht in der Hand #NeuMamaErkenntnisse

Ein Jahr Mamasein liegt hinter mir. Vieles war so kolossal anders als ich es mir vorgestellt habe und ich möchte euch an meinen Erkenntnissen und Erfahrungen teilhaben lassen. In diesem ersten Teil  wird es um die wohl einschneidenste Erkenntnis der  letzten Monate gehen: „Ich habe es nicht in der Hand“! Das war natürlich auch schon so bevor ich auch nur daran gedacht habe ein Kind zu wollen. Wenn ich realistisch bin, dann lag mein Leben schon immer in Gottes Hand… Gesundheit, ein guter Job, Frieden in unserem Land, ein toller Partner… all das ist nicht mein Verdienst. Ich bin reich beschenkt mit unglaublichem Reichtum, der mir gerade angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation ganz neu vor Augen geführt wird…  Dafür sollte ich dankbar sein. Bin ich aber oft nicht. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mich beklage über Kleinigkeiten, die gerade nicht in meinen Plan passen. Dabei ist all das so zerbrechlich.  Auch vor der Geburt des Prinzen gab es Situationen, in denen mir bewusst wurde wie zerbrechlich das ist. Wenn der Sohn eines Bekannten plötzlich an einem Blutgerinnnsel im Hirn verstirbt. Wenn ich nur um wenige Zentimeter von einer Straßenbahn verfehlt werde. Wenn mir bewusst wird, dass es pure Gnade ist, dass ich in einem Land leben darf, in dem Frieden herrscht.

Im Allgemeinen, im normalen Alltag erlag ich doch recht häufig der Illusion alles im Griff zu haben. Ich dachte, wenn ich mich nur genug anstrenge, mir nur genug Mühe gebe, dann wird alles gut. Doch schon in der Kinderwunschzeit und Schwangerschaft habe ich so oft am eigenen Leib erfahren was es heißt auf Gottes Gnade angewiesen zu sein. Jedes Ziepen meines Körpers habe ich analysiert und doch –besonders am Anfang der Schwangerschaft – genau gewusst, dass das nichts nützt. Selbst ein täglicher Arztbesuch mit Ultraschall hätte nicht helfen können. Gott entscheidet. Ich kann nur hoffen und vertrauen.

Seit der Prinz nun auf der Welt ist, wird dieses Gefühl der Hilflosigkeit manchmal übermächtig. Da sind so viele Dinge in seinem Leben, die ich nicht kontrollieren kann… das ist irgendwie noch viel schwieriger als zu realisieren, dass ich mein eigenes Leben nicht unter Kontrolle habe. Ich will ihn doch beschützen. Ich will, dass es ihm gut geht. Ich will, dass er alles hat, was er braucht. Doch ich kann es nicht. Ich kann ihn nicht vor allem beschützen, kann nicht verhindern, dass er krank wird, kann nicht verhindern, dass es Menschen geben wird, die ihn nicht mögen. Ich kann nicht in letzter Konsequenz dafür sorgen, dass er ein anständiger junger Mann wird… Manchmal bleibt mir fast die Luft weg, wenn mir bewusst wird wie hilflos ich bin… Aber nein, das stimmt ja gar nicht. Ich bin nicht hilflos. Ich habe einen großartigen Gott, der es gut mit mir meint, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt. Er ist der einzige von dem ich Hilfe erwarten kann… doch dazu muss ich ihm vertrauen, auch wenn mir das so oft unglaublich schwer fällt. Ich musste und muss immer noch lernen ihn immer wieder bewusst in Gottes liebevolle Hände zu abzugeben, weil meine Hände (realistisch betrachtet) einfach nicht groß genug sind für die Verantwortung für meinen Schatz.

Im Kleinen gelingt mir das schon recht gut. Ich kann mich davon abhalten den kleinen Klettermax ständig festzuhalten, damit er seine eigenen Erfahrungen machen kann. Ich kann darauf vertrauen, dass er in seinem Tempo alles lernt, was er sollte, auch wenn der Kinderarzt vielleicht einen anderen Zeitplan in seinen Lehrbüchern stehen hat.

Ich will immer besser darin werden meinem Gott zu vertrauen, dass er das Beste für mein Kind möchte, dass er das Beste für mich möchte und dass er einen Plan für mein Leben hat. Jeden Tag neu.

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