Mamasein

Haben Sie keine Angst, dass es erstickt?

Wir leben in der Provinz. Und hier falle ich auf, wenn ich mein Baby in einem Tragetuch durch die Stadt trage. Das führt dann zu Kommentaren wie dem Titel meines Beitrags. Praktischerweise geht die Kommentatorin (aus irgendeinem Grund sind es immer Frauen meist im Alter meiner Oma) vorbei noch bevor ich auch nur die Chance habe eine Antwort zu geben. Gestern hätte ich beinahe einen Unfall verursacht, weil eine Frau vor lauter Hinterherstarren fast von ihrem Fahrrad gefallen wäre. Am Hauptbahnhof hat mir eine ältere Dame letztens sogar den gebrauchten Kinderwagen ihrer Enkeltochter angeboten… ich war so perplex, dass mir gar keine passende Antwort einfiel. Naja, wahrscheinlich war es nett gemeint. 

Es gibt natürlich auch positive Kommentare à la „Na du hast den besten Platz“ oder „Du hast es ja gemütlich“. Die Postfrau beglückwünscht mich zu meiner „Idee“ und meint „Ach, wenn es das damals auch schon gegeben hätte“. Im Babymassagekurs löste unser Erscheinen spontane Begeisterungsstürme aus und wir wurden zu einer spontanen Vorführung genötigt („Wie bekommst du den denn allein auf den Rücken?“ „Hast du keine Angst, dass er herunterfällt“).

Auch wenn das manchmal nervig ist, dass wir nicht einfach durch die Fußgängerzone laufen können ohne aufzufallen, gehört das Tragetuch für mich ganz nach oben auf die Liste der unverzichtbaren Dinge für das Leben mit Baby. Es gibt eine Menge zu lesen warum tragen gut für Babys ist, doch das soll hier nicht Thema sein. Hier kommen meine persönlichen Gründe für die Nutzung eines Tragetuchs (oder einer anderen Tragehilfe). 

1. Mein Baby ist ein Winterkind und ich empfand es sehr entspannend mir keine Gedanken um die richtige Bekleidung zu machen. Abgesehen von einer Mütze konnte er so bleiben, wie er in der Wohnung war, denn unter meiner Jacke hatte er es immer schön warm. Leider habe ich (noch) keine Tragejacke für das Tragen auf dem Rücken… doch so langsam wird ja auch Frühling. 

2. Treppen und enge Geschäfte sind mit einem Kinderwagen manchmal schwierig. doch mit einem Tragetuch kein Problem. 

3. Gerade in den ersten Wochen war das Tragetuch ganz oft meine Rettung, denn eingepackt an meiner Brust hat er sich immer beruhigt. 

4. Viele Haushaltstätigkeiten lassen sich mit Baby im Tragetuch sehr gut machen… Staubsaugen kann ich hierbei besonders empfehlen. Durch die Gegend laufen ist ja eh schon gut und das beruhigende Geräusch tut sein übriges. Ich weiß gar nicht wie ich sonst überhaupt irgendetwas gebacken bekommen hätte in den ersten Wochen und Monaten. 

5. unser Baby hatte fast nie Bauchschmerzen und ich schiebe das auf die Massagewirkung des Tragens.

6. und das ist wahrscheinlich der schönste Grund: Kuscheln ist so schön. Ich finde es einfach toll mein Baby so nah bei mir zu haben. Ich merke sofort, wenn er unruhig wird und genieße es, wenn er an meiner Brust einschläft. 

Meine bisherigen Erfahrungen beziehen sich hauptsächlich auf das Tragen vor dem Bauch, doch seit ein paar Wochen testen wir auch die Rückentrage. Das ist nicht ganz so kuschelig, doch die Hausarbeit geht so noch viel besser und für mich ist es so auch einfacher, denn mit über sieben Kilo ist er vor dem Bauch über längere Zeit nicht mehr bequem zu tragen (doch für gelegentliches Kuscheln geht es natürlich noch). Schwierig finde ich dabei, dass ich mich und ihn komplett anziehen muss bevor ich mit dem Binden beginnen kann, doch das wird ja auch einfacher, wenn der Sommer kommt oder ich eine passende Tragejacke habe. Ich merke zwar immer noch, wenn er unruhig wird oder einschläft, doch ich sehe ihn halt nicht. Die Kamera an meinem Handy hilft mir dann mich von seinem Wohlbefinden zu überzeugen.   

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen ich lieber einen Kinderwagen benutze. Zum Beispiel, wenn ich möchte, dass das Baby nach dem Spaziergang noch ein bisschen weiterschläft (Irgendwie schaffe ich es sehr selten das Baby schlafend aus dem Tragetuch zu nehmen ohne, dass es aufwacht) oder wenn ich große Pakete zur Post bringen muss. Meistens jedoch nehme ich die ungewollte Aufmerksamkeit in Kauf und trage meine Baby durch die Stadt…

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Ich Habe starke Nerven…

Das dachte ich zumindest bis vor ein paar Monaten. Ich komme gut mit Stress zurecht. Zeitdruck macht mir nicht nur nichts aus (was für ein Satz!), ich brauche ihn sogar, um effizient arbeiten zu können. Ich kann sehr gut sieben Dinge gleichzeitig erledigen und dabei noch meinen Spaß haben. Telefonkonferenz, Chat mit der Freundin, Gespräch mit dem Lieblingskollegen und nebenbei noch eine Mail beantworten… Kein Problem. 
Heute habe ich gelernt was ich nicht gut kann. Ich kann kein Babygequengel aushalten… Oder zumindest nicht den ganzen Tag. Besonders dann nicht, wenn ich so gar nichts dagegen tun kann. Er schreit noch nicht einmal richtig, sondern er quengelt. Zwischendurch schreit er auch mal kurz, aber die meiste Zeit quengelt er. Ich versuche zu stillen (kurz saugen, dann weiter quengeln), abzulenken mit Spielsachen (Spielsachen werden angeschrien), herumzutragen (kurze Verwirrung über die neue Situation und sobald Mama Hoffnung geschöpft hat, schnell weiterquengeln), zu wickeln und erneut zu stillen. Ab und zu trinkt er dann auch gierig und ich bekomme sofort ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht bemerkt habe, dass das arme Kind eigentlich Hunger hat. Wenn er dann abdockt, weil etwa sein Pups ihn abgelenkt hat, geht das Spiel von vorn los. Ich bin mir sicher, dass er hundemüde sein muss und versuche ihn zu beruhigen, damit er einschlafen kann, doch es hat keinen Zweck. Nach drei Durchgängen des oben beschriebenen Spiels schläft er dann tatsächlich aus Versehen beim Stillen ein und ich atme auf. Endlich kann ich frühstücken, auf Toilette gehen, mir etwas anziehen oder Chaos beseitigen je nachdem was gerade am dringendsten ist. Ich warte noch einen Moment, damit er etwas tiefer schläft. Nach zehn Minuten traue ich mich endlich: Ich lege das Baby aufs Sofa, doch kaum berührt sein Kopf das Kissen sind die Augen wieder offen und es geht weiter. 
Soviel zur Beschreibung des heutigen Tages. Zwischendurch war ich kurz davor mein Baby dem Briefträger in die Hand zu drücken oder irgendjemandem, der gerade am Haus vorbeiläuft. Mich beruhigt das Zitat von Amelie Fried, das ich vor ein paar Tagen entdeckt habe: “Es ist normal, wenn Sie gelegentlich Lust haben, Ihre Kinder aus dem Fenster zu werfen. Es ist nicht normal, wenn Sie es tun!.” 
Jetzt ist Abend. Das Baby schläft schon eine ganze Weile friedlich und ich mache mich an die Ursachenforschung. Zähne (mein Baby sabbert im Moment so viel, dass ich mir Sorgen mache, dass er dehydriert)? Nachwirkungen der gestrigen Impfung? Wachstumsschub? Ich habe keine Ahnung. Vielleicht war ich auch angespannter als normalerweise (hatte ein schwieriges Gespräch heute Morgen und musste am Nachmittag auf jeden Fall für unser Heimatwochenende packen). Wahrscheinlich werde ich es nie erfahren… Doch immerhin bin ich um eine Erkenntnis reicher. 
Ach ja: meistens habe ich das liebste und pflegeleichteste Baby der Welt!
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Willkommen in Ihrem neuen Leben

Wie wird sie werden, die erste Zeit mit Baby? Hier im Blog und in meinem stillen Kämmerlein habe ich mir diese Frage immer wieder erwartungs- aber auch sorgenvoll gestellt. Wird es wirklich so schlimm, wie immer alle sagen? Kein Schlaf? Keine Zeit zum Duschen, umziehen, essen? Totale Verwahrlosung? Ich muss zugeben, dass ich vor dieser ersten Zeit mehr Angst hatte, als vor der Geburt an sich.

Doch die Realität sah dann doch ganz anders aus. Anstrengend natürlich, aber nicht furchtbar. Wir haben aber auch ein Musterkind. Seit wir aus dem Krankenhaus zu Hause sind hatte er verstanden, dass die Nacht zum Schlafen da ist. Er wird natürlich nachts wach und hat Hunger, aber wenn er dann getrunken hat schläft er einfach weiter… und ich schlafe meistens schon vorher wieder. Ich hatte noch keine Nacht mit zu wenig Schlaf oder besser: noch keine Nacht mit babybedingt zu wenig Schlaf (ich kann ja dem Kind nicht die Schuld dafür geben, wenn ich mit der Schwester bis spät nachts Filme schaue oder mein Gedankenkarussell mich nicht einschlafen lässt). Viele haben uns gefragt wie wir das hinbekommen haben und ich kann nur sagen: Keine Ahnung! Ich habe nichts damit zu tun. Das ist nicht meine Schuld (auch wenn ich natürlich gern einen international gefeierten Ratgeber zum Thema schreiben würde)! Unser Kind ist einfach so und ich bin zutiefst dankbar dafür! Ein anstrengender Tag lässt sich unendlich viel besser ertragen, wenn man die Nacht davor ausreichend geschlafen hat und davon ausgehen kann, dass man in der folgenden Nacht auch gut schlafen kann.

Auch über „Keine Zeit zum Duschen“ kann ich mich nicht beschweren, denn Pepe liebt es. Ich kann ihn wach oder schlafend auf einer Decke vor die Dusche legen und er hört mit Begeisterung dem tröpfelnden Wasser zu. Klar, sobald ich das Wasser abstelle, habe ich noch ungefähr fünfzehn Sekunden bis ihm langweilig wird, aber das geht gut. Essen, ok Essen ist manchmal ein Problem. Besonders wenn man sein Essen zu einem festgelegten Zeitpunkt verzehren möchte, weil es da zum Beispiel gerade heiß oder wenigstens noch lauwarm ist. Das klappt selten… wird aber besser. Auch wie heißer Kaffee schmeckt habe ich schon fast vergessen. Aber das sind wohl nur nebensächliche Details. Der Mann versorgt mich liebevoll mit einer warmen Mahlzeit am Tag und achtet darauf, dass ich genug trinke. Ich bin also nicht in akuter Gefahr.

Hausarbeit… ja ok, die kommt etwas zu kurz, denn es gibt Dinge, die man auch mit einem Baby im Tragetuch (dazu später mal noch ein Erfahrungsbericht) nicht gut machen kann. Klo putzen zum Beispiel. Staubsaugen geht dafür super. Auch Wäsche zusammenlegen funktioniert super seit ich ein Regal in der richtigen Höhe freigeräumt habe, damit ich das im Stehen machen kann. Das ist wichtig, denn Wäsche gibt es viel. Besonders das Falten der Stoffwindeln, damit man sie dann zum Wickeln nur noch aus dem Schrank nehmen muss, braucht doch einiges an Zeit. Vieles lässt sich also einrichten und für den Rest haben wir ja zum Glück einen Papa, der vieles übernimmt oder eben auch mal einen „Männerausflug“ mit dem Baby unternimmt, damit ich etwas schaffe.

Das klingt jetzt alles so easypeasy und im Vergleich zu den Erfahrungen vieler anderer Mamas ist es das auch. Ich habe einen tollen Partner, nur ein Kind, genug Schlaf, keine wunden Brustwarzen… mir ist eine Menge erspart geblieben. Trotzdem hat es eine Woche gedauert einen Blogbeitrag zu schreiben, mein Kind hat auch gern an der beliebten Tradition der „Schreistunde“ teilgenommen und in den ersten Wochen erschien es mir ein Ding der Unmöglichkeit innerhalb von den vier Stunden, die der Frauenarzt Sprechstunde hat dort vorbeizugehen und ein Rezept abzuholen. Ich habe viel geweint, war oft frustriert, wenn ich am Ende des Tages mal wieder, abgesehen vom Überleben des Babys, nichts geschafft hatte. Ich habe mich oft gefragt, was ich an dieser Zeit so anstrengend fand und finde, wo doch meine Ausgangsbedingungen nahezu optimal sind. Meine „Erkenntnisse“ habe ich mal versucht hier zusammenzutragen: 

1. Abhängigkeit: Mein Baby ist abhängig von mir in einer ungeahnten Art und Weise. Auch wenn ich (zumindest nach ein paar Wochen) nicht mehr ständig nur um das Kind kreisen muss, so bin ich doch 24 Stunden am Tag auf Bereitschaft. Am Anfang habe ich insgeheim immer auf meinen „Feierabend“ gewartet… auf den Zeitpunkt an dem ich „fertig“ bin. Doch dieser Zeitpunkt ist einfach nicht gekommen. Es gibt ihn einfach nicht. Das empfand ich in den ersten Wochen unglaublich belastend, vor allem emotional. Besonders als ich über Weihnachten krank war, war dieses Gefühl des ständigen Gebrauchtwerdens schier unerträglich. 

2. fehlende Planbarkeit erfordert neue Arbeitstechniken: Ich bin eine Prokrastiniererin. Ich machen immer alles auf den letzten Drücker. Immer. Und das kann ich gut. Ich brauche den Stress und bin dann sehr effizient. Mit Baby geht das leider nicht mehr, denn der letzte Drücker ist belegt durch spontanen Hunger oder eine volle Windel… natürlich fünf Minuten nachdem ich gewickelt habe. Also  muss ich jetzt entgegen meiner Natur sich spontan öffnende Zeitfenster nutzen und kann nicht mehr alles auf die letzte Minute warten. Außerdem fange ich normalerweise keine Aufgabe an, wenn ich nicht weiß, dass ich sie auch beenden kann. Doch das Baby sagt mir leider vorher nicht, ob es zehn Minuten oder zwei Stunden schlafen wird. Wenn ich nicht das Risiko eingehen würde eine Aufgabe unvollendet zu lassen, könnte ich gar nichts mehr anfangen. Das Baby zwingt mich also dazu meinen Arbeitsstil zu ändern… Das ist anstrengend, aber vielleicht auch gar nicht schlecht. So komme ich ab und zu zu einer freien „letzten Minute“. 

3. Leere im Kopf: Dazu habe ich hier ein Zitat gefunden, dass ziemlich genau meinen Gemütszustand beschreibt: „Ich bin erschöpft und aber gelangweilt, das niedliche Neugeborene bringt mein Herz zum Platzen und gleichzeitig nervt mich die Leere im Kopf, denn die ersten Wochen mit Baby fordern anders: nicht intellektuell, sondern rein körperlich und emotional. Doch den Kopf auszuschalten gelingt mir nicht. Er hat Hunger.“ Genau so ist es: ich liebe mein Baby über alles und bin gern Mama… Aber da ist trotzdem etwas das mir fehlt. Ich kann noch nicht genau benennen was es ist. Anerkennung. Intellektuelle Herausforderung. Das Gefühl am Ende des Tages etwas getan zu haben. Irgendsoetwas muss es sein. Daran muss ich definitiv arbeiten…

Und trotzdem ist es toll! Mein Baby macht mich so glücklich! Mein Herz geht auf, wenn er lacht. Wenn er sich von mir trösten lässt oder ich mal im ersten Versuch erkannt habe was er braucht, fühle ich mich wie eine Superheldin. Ich könnte ihm stundenlang beim Schlafen zusehen. Ich will diese erste Zeit mit Baby nicht besser oder schlimmer darstellen, als sie ist. Es ist gleichzeitig das schönste und anstrengendste was ich in meinem Leben erlebt habe. Absolut empfehlenswert (falls noch jemand zweifelt…)!

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