Mamasein, Schwanger!

Als die Zeit stillstand…

Samstag Abend… 20:55 Uhr… jemand legt ein kleines, blutverschmiertes Bündel auf meine Brust und plötzlich ist alles andere egal. Egal, das diese Geburt so gar nicht nach meinen Vorstellungen verlaufen ist. Egal, dass mir alles wehtut und ich dringend eine Dusche brauche. Egal, dass unsere sorgsam ausgedachten Pläne erst einmal für die Tonne sind. Endlich ist er da! Unser Baby… auf das wir lange gewartet haben, auf das wir uns so sehr gefreut haben und vor dem wir auch ein bisschen Angst hatten. Plötzlich sind wir Eltern. Ganz ruhig liegt der Kleine auf meinem Bauch und scheint überhaupt keinen Zweifel daran zu haben, dass wir uns gut um ihn kümmern werden.

Wir spulen etwas mehr als 24h zurück. Freitag. ca 17:30 Uhr. Meine Unterwäsche ist feucht (das klingt ein bisschen seltsam ;)). Ich überlege einen Moment… versuche mich an einer Geruchsbestimmung… hm… weiß nicht. Wird schon nix sein. Eine Stunde später kommt mein Mann nach Hause und ich erzähle ihm davon, doch er hat auch keine Meinung und ich soll entscheiden. Na toll, nachdem mir mein Kollege heute noch erzählt hat, dass sie drei mal umsonst in der Klinik waren und immer wieder heimgeschickt wurden, habe ich eigentlich keine Lust darauf in die Klinik zu fahren, nur weil ich mir in die Hose gepinkelt habe. Also beschließe ich, dass wir bis zum Morgen abwarten. Wir schauen noch gemütlich einen Film und gehen dann schlafen. Gegen 22:30 Uhr kommt dann ein Schwall und ich wecke den Mann, damit wir dann jetzt doch in die Klinik fahren. Wir suchen ein bisschen chaotisch noch ein paar Sachen zusammen. Zum Glück ist mein Koffer schon fast fertig gepackt und ganz oben auf liegt ein Zettel mit all den Dingen, die noch einzupacken sind. Super Orga!

In der Klinik stellt sich schnell heraus: Ja, das ist wohl Fruchtwasser! Wir bleiben hier. Besser gesagt, ich bleibe hier, denn der Mann will zu Hause schlafen. CTG zeigt keine richtigen Wehen, also soll ich versuchen zu schlafen und am Morgen 05:30 Uhr wieder in den Kreißsaal kommen, dann wird eingeleitet, wenn keine eigenen Wehen kommen. So wird es dann auch gemacht. Ich kann zwar nicht wirklich gut schlafen, aber wenigstens ein bisschen dösen. Ich bekomme also eine Viertel Tablette und soll wieder schlafen (nachdem wieder ein CTG geschrieben wurde)… Ich schlafe und ganz langsam bekomme ich leichte menstruationsartige Schmerzen… Nicht der Rede wert, aber es tut sich was. Beim Frühstück merke ich, dass ich nicht mehr sitzen kann und esse kurzerhand im stehen. 09:30 Uhr bin ich wieder im Kreißsaal. Wieder CTG. Wieder eine Tablette. Es weht ganz leicht vor sich hin. Noch nicht wirklich schmerzhaft, aber spürbar unangenehm. Zurück auf Station und wieder warten. Kurz nach dem Mittag kommt dann der Mann und wir gehen noch ein bisschen spazieren. Dabei muss ich die Wehen schon gut veratmen, komme aber gut damit klar. 13:30 Uhr sind wir wieder einmal im Kreißsaal und ich bekomme noch eine Dosis von der Tablette und danach ging es wirklich ab. Eine Wehe nach der anderen. Kaum Pause dazwischen. Ich habe nicht einmal die Zeit mich auf das Kreißbett zu legen zwischen zwei Wehen. Doch immer noch komme ich mit der Atmung ganz gut zurecht. Ich bin wie in einem Tunnel. Ich lebe von Wehe zu Wehe. In meinem Kopf ist kein Platz für Fragen. Ich will nicht wissen wie lange das noch dauert oder wie weit der Muttermund geöffnet ist. Nur eine Wehe nach der anderen überleben. Das funktioniert ganz gut. Doch dann fragt irgendjemand (Ich kann nicht mehr sagen, ob es die Ärztin oder die Hebamme war…), ob ich eine PDA möchte, denn das würde sich schon noch ein bisschen hinziehen. Und da hat es bei mir irgendwie ausgesetzt und ich hatte mit einem Schlag das Gefühl das nicht länger aushalten zu können… zumindest nicht unbestimmt lange. Eigentlich wollte ich keine PDA, aber der Gedanke im Kopf, dass ich den Schmerz einfach ausschalten könnte war dann doch zu verlockend und so habe ich mich dann doch dafür entschieden.

Ein sehr lustiger Anästhesist kam wenige Minuten später und hat die PDA gesetzt. Das war sehr viel weniger unangenehm als befürchtet und noch einmal wenige Minuten später merkte ich, dass der Schmerz mit jeder Wehe ein bisschen weniger wurde. Zu diesem Zeitpunkt war der Muttermund wohl bei 2-3 cm. Ich sollte versuchen ein bisschen zu ruhen und das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Zwei Stunden später bin ich dann wieder aufgewacht und war vollkommen entspannt. Mein Muttermund war jetzt schon bei 8cm und ich hatte Hunger. Der Mann ist also losgestiefelt und hat mir etwas zum Essen besorgt. Wir warten (immer noch schmerzfrei) noch ca. zwei Stunden bis der Muttermund vollständig eröffnet ist, quatschen mit der Hebamme und der Ärztin, die immer mal hereinschaut. Wehen spüre ich immer mal so als Druckgefühl, aber so richtig nach einer Geburt fühlt sich das nicht an.

Dieser Meinung ist dann auch die Hebamme, denn der Anästhesist hat es wohl ein bisschen zu gut gemeint mit der Dosierung und für den Endspurt brauchen wir schon ein paar Wehen.  Also wird die PDA heruntergeregelt und ein Wehentropf angeschlossen. Und dann wird es richtig anstrengend. Denn mit einem Schlag sind wieder Wehen da und ich soll versuchen mitzuschieben. Ich geb mein Bestes, doch irgendwie dreht der Kleine sich nicht richtig ins Becken. Wir versuchen es mit Akupunktur, Umlagern und irgendwelchen Globulis, doch irgendwie nützt das alles nix und die Ärztin wird scheinbar langsam nervös und beschließt ihren Chefarzt aus dem Feierabend zu holen. Scheinbar stehen wir kurz davor die Hilfe eine Saugglocke zu benötigen. Wir kämpfen wie die Weltmeister und so ganz langsam scheint es dann doch in die richtige Richtung zu gehen. Plötzlich kommt der berühmte Satz: Wollen Sie schon mal das Köpfchen fühlen? Ich konnte mir das nie vorstellen und hab dann doch hingefasst. Und tatsächlich: Ein Kopf! Mit vielen Haaren!

Bald ist der Chefarzt dann auch schon da. Unserem Zwerg scheint die Anwesenheit des Chefarztes auszureichen und wenige Moment nach seiner Ankunft hat er es dann doch noch geschafft und so kann der Doc kurz darauf wieder in seinen Feierabend zurückkehren ohne sich die Finger schmutzig gemacht zu haben. Der Rest der Geschichte steht schon oben.

Wir dürfen noch eine Stunde im Kreißsaal kuscheln, bevor der Kleine gewaschen und vermessen wird. Er ist 2970g schwer und 53cm groß. Für mehr als drei Wochen zu früh sind das ja mal ganz ordentliche Maße. Während der frischgeborene Papa auf den Kleinen aufpasst kann ich in Ruhe duschen gehen, bevor wir auf Station verlegt werden und in die erste Nacht als Eltern starten… dazu dann später mal mehr.

Insgesamt war das eine seltsame Geburt. So hatte ich mir das nicht vorgestellt, doch das Ergebnis spricht ja für sich…

 

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Allgemein, Mamasein

Leben ist das was passiert, während du eifrig dabei bist andere Pläne zu machen (John Lennon)

Lange habe ich nichts von mir hören lassen und die meisten haben daraus wahrscheinlich auch ihre Schlüsse gezogen… Ja, es ist wahr: Unser Sohn ist geboren. Am Samstag (25.10.) 20:55 Uhr ist er auf die Welt geschlüpft und seitdem hat Zeit keine Bedeutung mehr. Die Tage verschwimmen in einem Wirrwarr von Freude und Tränen und Liebe. Schon wenige Stunden nach der Geburt fühlte ich mich wie amputiert, als sie den Kleinen zum Blutabnehmen mitgenommen haben (da sollen die Mamas besser nicht dabei sein… die leiden mehr als die Babys). Ich kann mich nicht mehr an die Zeit erinnern, als er noch nicht da war und lebe im Moment wie in einer Blase, in der sich alles nur um meinen kleinen Prinzen dreht.

 

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